Ich beherrsche die Kunst,

mich vor den richtigen Dingen zu fürchten.

Denn meine Furcht umfasst vieles. Am Morgen stehen mir die Haare zu Berge vor Schreck. Am Abend sehe ich fern. Ich misstraue meinem Nachbarn. Doch liebe ich meinen Hund. Er heißt Vladimir. Er hat schwarz-weißes Fell. Es ist eine Rasse, die nicht bellt. Nur knurrt.

Er holt mir täglich die Zeitung von der Tür. Ich tauche meine Semmel in den Kaffee und lese. Vladimir liegt mir zu Füssen und schaut mich treuherzig an. Keine Angst habe ich momentan vor dem Islam. Es sollen nur Christen kommen von dort. Kinder und Frauen, ein paar halt. Das geht.

Mein Haus ist groß und sehr schön. Meine Tujenhecke ist sehr gepflegt. Dragan schneidet sie im Herbst. Ich bin gern unter mir. Da kann ich tun, was ich will. Wenn es klopft, gehe ich nicht an die Tür. Die Schritte entfernen sich immer sehr rasch.

Nur vorige Woche nicht. Es hat geklopft. Ich blieb, wo ich war und atmete kaum. Das Klopfen hörte auf, doch niemand ging weg. Vladimir knurrte recht laut. So laut, wie meine Waschmaschine bei 90 Grad. Ich schlich zum Guckloch an der Tür. Froh über meinen neuen Türspion, Marke Alibaba, mit Kamera.

Auf dem Bild war aber nur ich. Und mir klopfte das Herz.